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Über die Kunst des Zuhörens

Kannst Du es auch nicht mehr hören, wie so viele Menschen da draußen ihre Wahrheit hinausposaunen und wenig bis gar nicht bereit sind, anderen zuzuhören oder zumindest in ihrem Glauben stehen zu lassen? Es scheint, als hätte jede(r) die Wahrheit sozusagen mit Löffeln gefressen - und das gerade in einer Zeit, in der unglaublich viel Unsicherheit und Unwissen über die Zukunft herrscht.


Warum Menschen sich an ihrer Wahrheit festhalten

Die eigene Überzeugung kann ganz wunderbar als Schutzmauer dienen, um anderen nicht zuhören zu müssen. So kann man das selbst gebaute Kartenhaus ganz wunderbar aufrecht erhalten und ist nicht gefragt, mal genauer hinzuschauen und für sich selbst zu prüfen, ob denn wirklich alles so stimmt, an was wir glauben. So gibt diese Wahrheit, an der man sich so sehr festhält, eine vermeintliche Sicherheit, die aktuell im Außen gerade überall wegbröckelt.


Wie verschiedene Sprachen

So kommen wir da hin, dass wir das Gefühl haben, gar nicht mehr zum Anderen vordringen zu können. Was ja durch diese Art virtuelle Mauer auch faktisch so ist. Das fühlt sich an, als sprächen wir sozusagen verschiedene Sprachen und es wird unmöglich, einander zu verstehen. Und das wiederum macht uns traurig, erschöpft, einsam - denn wir würden doch so gerne in Verbindung gehen und haben das Gefühl, dass es einfach gerade nicht geht.


Sich selbst zuhören

Meistens jedoch liegt unter der lauthals verkündeten Wahrheit jedoch auch Unsicherheit und Verlustangst. Manche Menschen nehmen in Kauf, lieber andere Menschen zu verlieren, als ihr mühsam aufgebautes inneres (Lebens- und) Gedankenkonstrukt. Denn dann müssten sie ja all ihre Entscheidungen in Frage stellen, vielleicht sogar ihr gesamtes Leben. Da gehen sie lieber in den Kampf und freiwillig in den Verlust, als sich selbst in all den Gefühlen anzunehmen, die sie gerade bewegen.


Wer jedoch achtsam und ehrlich mit sich selbst ist, kann vielleicht einfach zugeben, dass er oder sie gerade Angst oder Unsicherheit verspürt. Und verstehen, dass das ganz einfach normal ist in einer solchen Situation wie dieser, in der so viel Gewohntes wegbricht. Das ist doch einfach nur menschlich.


Anderen zuhören

Wer bereit ist, sich selbst zuzuhören, kann auch anderen zuhören. Versteht neben all dem lauten Getöse der Worte auch die leisen Untertöne, die mitschwingen. Kann sein Herz öffnen und sehen, dass dieser so laut seine Wahrheit verkündende Mensch einfach Angst hat und sich eigentlich nach Liebe sehnt. Dann kann man ihm ein Angebot des Dialogs machen - das der andere annehmen darf, oder eben auch nicht. Auch hier ist Eigenverantwortung gefragt. Jeder darf entscheiden, ob er gerade in die Verbindung gehen und sich wahrhaftig zeigen möchte, oder ob das gerade (noch) nicht dran ist.


Frieden machen mit dem, wo wir gerade stehen

Wer in sich selbst ruht, kann das Chaos da draußen auch einfach mal sein lassen. Dann kann man das Verhalten anderer mit liebevollen Augen betrachten, aber auch klar zur eigenen Meinung stehen und Grenzen setzen, wo diese den eigenen Frieden schützen. Sich beispielsweise nicht auf jede Diskussion einlassen. Nicht jede(n) von der eigenen Meinung überzeugen wollen. Sich klar auf den eigenen Platz stellen, zum Beobachter des Sturms machen und auf den Wellen reiten, wenn sie kommen. Loslassen von überholten Vorstellungen darüber, wie wir dachten, wie das Leben eigentlich sein sollte, und uns überraschen lassen von dem, wie es wirklich ist. Dann können wahre Wunder geschehen.


Alles Liebe,

Deine Cornelia

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