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Lass uns über Berührung sprechen

Neulich war ich beim Arzt. Nichts Ernstes, nur eine Untersuchung, die ich schon lange vor mir hergeschoben hatte und nun endlich erledigen wollte. Dafür musste die Ärztin auch meine Ohren untersuchen. Sie kam auf mich zu und strich mir dafür die Haare zurück.


Wie eine kleine Berührung einen ganzen Sturm auslösen kann

Diese kleine Berührung löste einen Sturm von Gefühlen in mir aus. Denn sie machte die Diskrepanz so klar zu dem, was um uns herum seit Corona an so vielen Stellen gelebt wird: die Menschen halten Abstand. Rutschen zur Seite, wenn man sich auf die gleiche Bank am See oder in der S-Bahn setzt. Weichen sogar manchmal erschrocken aus und machen einen großen Bogen um uns, wenn man ohne Maske spazieren geht. Sie scheinen regelrecht Angst voreinander zu haben.


Dabei ist Berührung doch eines der wesentlichen Dinge, die unser Leben lebenswert machen. Echte Nähe zu anderen Menschen. Beziehungen, in denen man sich zeigt und wahrhaftig in Kontakt tritt. Für ein Baby ist Berührung sogar lebensnotwendig.


Neben einem Gefühl von geliebt werden, angenommen werden, in Ordnung sein wie man ist, löst Berührung auch auf körperlicher Ebene einen Sturm positiver Hormone aus, die uns Lebensfreude schenken, bindungsfähig machen und uns aus dem Überlebensmodus holen können.

Die Folgen von Einsamkeit

Was tun wir uns also an in der heutigen Zeit, in der so viele Menschen alleine sind? Nicht nur keinen Kontakt zu anderen Menschen haben, sondern auch keine Berührung erleben dürfen. Ich kann inzwischen verstehen, warum alte Menschen manchmal so gerne zum Arzt gehen: dort ist jemand, der sie sieht, sich für sie interessiert, sie berührt.

Denn so sehr es für die persönliche Entwicklung manchmal notwendig ist und wir uns das spirituell schönreden - wir sind nun mal Menschen, und wenn wir zu viel alleine sind, werden wir zumindest traurig, manchmal sogar krank oder lebensmüde. Es gab Zeiten, in denen hat man Menschen zur Folter alleine eingesperrt - weil man um die zerstörende Kraft der Einsamkeit wusste.


Was dies für unsere Kinder bedeutet

Diese Entwicklung beunruhigt mich nicht nur für uns Erwachsene, sondern vor allem auch für unsere Kinder. Wir wissen, dass Kinder durch Vorbild lernen. Was passiert wohl mit einer Generation, die durch Angst vor anderen Menschen geprägt wird? Was passiert mit Kindern, die die Gesichter der anderen nur noch teilweise sehen? Die ihre Freunde nicht mehr treffen dürfen, weil die Beschränkungen immer strenger werden? Die Erwachsene um sich haben, die die Straßenseite wechseln, wenn sie ihnen entgegen kommen? Dir ihre Großeltern nicht besuchen dürfen, weil sie vielleicht eine Gefahr für sie darstellen könnten?


Lasst uns bewusste Entscheidungen treffen!

Wir haben es in der Hand, wie wir damit umgehen. Denn so, wie wir es heute tun, werden unsere Kinder es uns nachahmen. Wie gehst Du auf andere Menschen zu? Wie verhältst Du Dich im Umgang mit Anderen? Gehst Du liebevoll mit Dir und anderen um, auch und gerade in diesen Zeiten? Baust Du Brücken, indem Du andere freundlich grüßt und ein paar nette Worte auch für Fremde übrig hast?


Sprichst Du mit Deinen Kindern über diese Themen, fragst sie, wie es ihnen geht, und erzählst ihnen auch von Deinen Gefühlen? Lässt Du Nähe und Berührung zu, auch wenn die Welt scheinbar in die Trennung geht?


Lasst uns jeden Tag neu entscheiden, unser Herz sprechen zu lassen. Ein gutes Vorbild für unsere Kinder zu sein. Liebe zu schenken in einer Zeit, in der wir uns alle danach sehnen, einfach nur mal wieder in den Arm genommen zu werden.


Hier können uns unsere Kinder übrigens ein wunderbares Vorbild sein: schau mal genau hin, wie diese sich verhalten. Wie sie spielend neue Lösungen finden.


Vielleicht dürfen wir neue Formen der Berührung finden und Nähe auf neuen Ebenen zulassen. In jedem Fall aber dürfen wir ehrlich zu uns selbst und anderen sein und sehen, was unter all der Wut, Trauer, Verzweiflung steckt: wir alle sind Menschen und wollen einfach nur geliebt werden. Wir alle sehnen uns nach Berührung.


Wenn wir dieses Wissen im Herzen tragen, können wir gerade jetzt in diesen herausfordernden Zeiten noch besser für einander da sein und uns liebevoll begegnen.


Mit einer herzlichen Umarmung für Dich,


Deine Cornelia

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