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Was Freunde Alleinerziehender zu Weihnachten wissen sollten

Ich bin alleinerziehend, seit meine zweite Tochter sechs Wochen alt war. Auch, wenn ich es kaum glauben kann und mich frage, wo all die Jahre geblieben sind, sind es seitdem viele Weihnachtsfeste gewesen, die ich alleine für uns gestaltet habe. Damit sind die Festtage für uns immer ganz anders gewesen, als ich es mir früher gewünscht hätte. Wie oft habe ich in den ersten Jahren am Heiligen Abend in der Kirche oder unterm Weihnachtsbaum gesessen und geweint. Wie sehr habe ich versucht, es uns trotzdem immer schön zu machen und ein Weihnachtsfest zu gestalten, das meine Kinder glücklich sind - denn das haben sie doch sowas von verdient!


Darum möchte ich Dich gerne inspirieren, Deinen alleinerziehenden oder alleinstehenden Freunden zur Seite zu stehen, indem ich ein bisschen über unsere besonderen Herausforderungen zu den Festtagen erzähle. Dies gilt übrigens ganz besonders in der Corona-Zeit, die uns unsere Einsamkeit an den Feiertagen manchmal noch deutlicher als sonst vor Augen führt.


1. Weihnachten und die Feiertage können die traurigste Zeit des Jahres sein. Während andere sich auf die Festtage freuen, haben wir Alleinerziehenden manchmal regelrecht Angst davor. Wir haben neben all den "normalen" Herausforderungen des Alltags noch einmal mehr zu erledigen und vor allem auch emotional zu bewältigen: wie schaffe ich es, meinen Kindern (trotzdem) ein schönes Weihnachtsfest zu gestalten? Wie kann ich genügend Geld zur Seite legen, um meinen Kindern trotz aller finanziellen Herausforderungen trotzdem schöne Geschenke zu machen? Kann ich mir in diesem Jahr einen Weihnachtsbaum leisten? Wir haben oft niemanden, mit dem wir solche Dinge besprechen und Lösungen finden können. Und niemand ist da, der uns am Weihnachtsabend in den Arm nimmt, wenn wir allein da sitzen und den Baum betrachten. Darum frag Deine alleinerziehenden Freunde, wie es ihnen geht. Nimm Dir Zeit und höre genau hin, was unter dem fröhlichen Lächeln vielleicht noch für Gefühle sitzen.


2. Unterstütze sie! Alleinerziehende funktionieren oft am Limit. Es ist immer etwas zu tun, weil man eben auch alles selbst tun muss. Jeden Morgen die Kinder wecken und zur Schule bringen, jedes Essen, jedes Einkaufen, jeder Mülleimer, jedes Putzen, jede Weihnachtsdeko - wenn wir es nicht machen, passiert es eben einfach nicht. Zu Weihnachten kann einem das manchmal noch mehr überfordern als sonst, weil eben noch einmal mehr zu tun ist. Alleine den Weihnachtsbaum zu besorgen und selbst aufzustellen ist manchmal ein Ding der Unmöglichkeit. Oder heimlich in die Stadt flitzen zum Geschenke einkaufen. Frag Deine alleinerziehenden Freunde, wo sie Unterstützung brauche und biete ihnen diese an. Oft kommen sie vor lauter Tun gar nicht dazu, Dich um Hilfe zu bitten. Aber sie wissen es sehr zu schätzen, wenn Du sie ihnen anbietest.


3. Lade sie ein! Gerade in diesem Jahr zu Corona zeigt sich noch mehr, was sonst auch schon oft der Fall ist: Alleinerziehende bleiben bei Einladungen oft außen vor. Das ist oft sicher gut gemeint, weil man denkt, dass sie eh keine Zeit haben, und es ihnen nicht noch schwerer machen will. Aber es tut einfach verdammt weh, wenn man vorher immer dabei war und plötzlich nicht mehr eingeladen wird. Oder wenn man dann wieder dabei sein darf, wenn man einen neuen Partner an der Seite hat. Alleinerziehende brauchen Freunde! Wie glücklich war ich, als ich in einem der ersten Jahre Heiligabend bei Freunden feiern durfte! Selbst, wenn sie eine Einladung vielleicht ausschlagen müssen, weil sie keinen Babysitter finden (oder bezahlen können) - lade sie weiter ein und gib ihnen das Gefühl, dass sie als Mensch eine wertvolle Ergänzung für den Freundeskreis sind. Egal, ob mit oder ohne Partner.


4. Zeig ihnen, dass sie Dir wichtig sind! Vielleicht seht ihr Euch grad nicht so oft wie früher. Corona macht es manchmal schwierig, unbeschwert Zeit miteinander zu verbringen. Und vielleicht schreibt Dir Deine alleinerziehende Freundin grad nicht so oft wie früher. Nimm ihr das nicht übel! Hak nach und melde Dich bei ihr. Einsamkeit ist oft schwer schmerzhaft, und manchmal fehlt nach einem langen Tag mit Arbeiten, Haushalt und Kindern einfach die Kraft, das Handy in die Hand zu nehmen und durchzuklingeln. Mach es ihr leicht und geh auf sie zu. Vielleicht geht es ihr gerade nicht gut und sie bräuchte dringend das Gefühl, dass Du an sie denkst.


5. Nimm ihre Gefühle ernst! Gut gemeinte Sätze wie "es ist toll, wie stark Du bist!" oder "mein Mann ist auch immer viel unterwegs" helfen nicht wirklich und machen den Schmerz oft noch bewusster. Du kannst davon ausgehen, dass Deine alleinerziehende Freundin gar nicht immer stark sein will. Sie hat die gleichen Bedürfnisse wie andere Frauen auch, und will sich am liebsten auch einfach mal irgendwo anlehnen, loslassen, sich entspannen. Allein ein Telefonat mit dem Liebsten, auch wenn dieser gerade nicht da ist, wäre emotional schon so stärkend, wie sie es schon lange nicht mehr kennt. Darum nimm sie ernst, wenn sie nicht sofort fröhlich strahlt oder sich einfach mal bei Dir zeigt, wie sie wirklich ist. Gesehen zu werden mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen tut oft einfach schon wahnsinnig gut.


6. Unterstütze sie dabei, neue Traditionen zu entwickeln! Manche Dinge funktionieren einfach nicht mehr, wenn man sie alleine tut. Oder erinnern zu sehr an das, was man sich ja eigentlich sehnlichst wünscht, aber gerade nicht mehr hat. Darum tut es Alleinerziehenden gut, sich von alten Traditionen zu befreien und Weihnachten einfach mal alles anders zu machen. Eigene Vorstellungen zu entwickeln und neu zu gestalten gibt Kraft und das Gefühl, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Unterstütze Deine alleinerziehenden Freunde dabei, sich ein neues Leben aufzubauen - auch, wenn es etwas unkonventionell ist oder vieles in Frage stellt, was Du eigentlich für richtig hältst. Das Prinzip der Selbstwirksamkeit gibt innere Stärke, um halbwegs gut und vielleicht sogar glücklich durch die Feiertage zu kommen.


Liebevoll miteinander umzugehen ist so wichtig! Sei für sie da. Auch sie werden für Dich da sein, wann immer sie können.


Wir werden gerade die Menschen ganz besonders in unserem Herzen tragen, die für uns da sind, uns unterstützen und uns darin bestärken, unseren eigenen Weg durch diese besondere Zeit zu finden.


Alles Liebe,

Deine Cornelia

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