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Wie wir wirklich für unsere Kinder da sein können

Als ich gestern ins Kinderzimmer komme, erschrecke ich: meine jüngere Tochter - gerade mal süße neun Jahre alt - sitzt tränenüberströmt am Schreibtisch. Ich habe noch so viel Hausaufgaben zu machen, Mami, das schaffe ich einfach nicht, flüstert sie.


Mich trifft es mitten ins Herz! Meine mutige, sonst so stabile Tochter, die eigentlich nur weint, wenn sie sich richtig doll weh getan hat, schluchzt und hat dicke Tränen im Gesicht.


Was tun wir gerade nur unseren Kindern an?

Warum meinen so viele, dass diese emotional einfach alle äußeren Entwicklungen wegstecken und trotzdem in der Schule auch noch perfekt funktionieren müssen? Warum lässt man sie ständig so viele Hausaufgaben machen und prüft ihr Wissen in einer Schularbeit nach der anderen ab, als wäre alles ganz normal? Und auch dann wäre es schon viel zu viel, was da verlangt wird, finde ich.


Ich habe mit neun Jahren noch Zeit gehabt, nach meinen Hausaufgaben ganz viel draußen zu sein und mit Freunden zu spielen. Wenn wir im Moment in unserem Alltag eine Stunde Freizeit finden zwischen Schule, Hausaufgaben und Lernen, ist das schon großartig.

Und nun sitzt meine heiß geliebte Tochter vor mir, mit neun Jahren schon völlig überfordert! (Dazu sei gesagt, dass ihr Lernen wirklich leicht fällt und sie stets völlig selbständig Hausaufgaben macht.)


Es ist einfach zu viel!!!

Und alle tun so, als sei das völlig normal! Die Kleinen müssen weiter durchweg zur Schule, "weil sie ja nicht so ansteckend sind". Wer fragt nach, wie es den Kindern geht, mit Maske und dicker Schneejacke im Unterricht, weil es durch das Lüften so kalt wird? Wer fragt, welche Last auf ihren kleinen Herzen liegt, weil sie evtl ihre Großeltern anstecken könnten, wenn sie sie zu Weihnachten sehen? Wer fragt, was es mit ihnen macht, dass sie normal zur Schule gehen sollen, aber nachmittags ihre Freunde nicht sehen dürfen?


Wacht auf, liebe Eltern!

Ich weiß, auch für uns Eltern ist es gerade nicht leicht. Eine so lange Ausnahmezeit mit so viel Verzicht und Einsamkeit macht auch was mit uns Großen. Aber wie können manche ernsthaft Sprüche wie "da müssen die Kindern nun mal durch" von sich geben? Waren die selbst nie Kind? Gehen die auch so hart mich sich selbst um?


Wir Menschen haben eine wunderbare Gabe, an die wir uns erinnern dürfen: unsere Empathie. Wir können mit anderen fühlen! Lasst uns gerade als Eltern immer wieder einen Moment nehmen, in dem wir mit unseren Kindern mitfühlen. Uns Zeit nehmen, hinzugucken und wahrzunehmen, wie es unseren Kleinen wirklich geht. Auch mal unter die angepasste Schale schauen und mit dem Herzen wahrnehmen, was da alles innerlich bewegt und verdaut werden will.


Unsere Kinder wieder Kinder sein lassen

Erinnere Dich daran, wie Du mit neun Jahren warst! Was Dir wichtig war! Lasst uns immer daran denken: unsere Kindern sollen keine angepassten Roboter werden mit möglichst wenig Bedürfnissen. Sie dürfen lebendig sein! Spielen! Spaß haben! Laut lachen! Kreativ gestalten! Und auch mal so richtig weinen oder wütend sein. Weil sie eben einfach Menschen sind. Und menschliche Bedürfnisse haben.

Meine große Tochter und ich jedenfalls haben die jüngere dann mit einem kleinen Picknick überrascht: warme Milch und Lebkuchen auf einem versilberten Serviertablett - fast so schick wie im Café ;-). Haben sie in ihrem Schmerz angenommen und intensiv mit ihr gekuschelt. Haben sie angefeuert wie (fast echte) Cheerleader. Haben zwischendurch immer wieder schöne Musik angemacht, gesungen und getanzt, um ihr wieder Kraft zu geben.


Letzten Endes hat sie alle Hausaufgaben geschafft. Und sich mit einer dicken, ganz besonders innigen Umarmung bedankt. Die war mehr wert als tausend Worte.


Alles Liebe,

Deine Cornelia

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